Samstag, 24. August 2013

Golem und Dschinn von Helene Wecker



Klappentext:
New York, 1899: Hier begegnen sich Chava und Ahmad, eine Frau aus Ton und ein Mann aus Feuer, deren Schicksal seit Jahrhunderten unauflöslich miteinander verknüpft ist. Chava ist ein Golem, zum Leben erweckt von einem skrupellosen Rabbi. Sie kann die Wünsche und Sehnsüchte der Menschen um sich herum spüren. Als ihr Meister stirbt, muss sie sich allein in New York zurechtfinden. Ahmad ist ein Dschinn, der eingeschlossen in einer Kupferflasche auf Umwegen nach Manhattan gelangt. Seine Neugier und seine Leidenschaft sind ihm schon einmal zum Verhängnis geworden. Ihm fällt es schwerer als Chava, sich in das menschliche Leben zu fügen. In einer kalten Winternacht kreuzen sich zufällig die Wege von Chava und Ahmad, von Golem und Dschinn. Sie entdecken ihre Seelenverwandtschaft: In der Welt der Menschen suchen beide nach Liebe und Freundschaft, und ständig schwebt die Gefahr, entdeckt zu werden, über ihnen. Als ein übermächtiger Feind auf den Plan tritt, müssen sie gemeinsam eine schicksalhafte Entscheidung treffen.

Mit "Golem und Dschinn" legt die amerikanische Autorin Helene Wecker ihr Debüt vor, welches in seiner Ausgereiftheit so gar nicht wie eines erscheint.

Helene Wecker lässt die beiden sagenumwobenen Gestalten der jüdischen und islamischen Mythologie in ihrem Erstling auferstehen und sie gemeinsam ein Abenteuer erleben, das Gegensätze vereint und Religionen einander näherbringt.
Diese beiden Wesenheiten wurden dabei fundiert ausgearbeitet und authentisch skizziert. Sie erscheinen wie Wesen aus vergangener Zeit in der Welt der Menschen, die sie immer stärker menschlichere Züge annehmen, dennoch aber stets sie selbst bleiben lässt.
Der gesamte Mythos der beiden Glaubensrichtungen wird zum Leben erweckt und dem Leser näher gebracht, sodass man eintaucht in eine Welt, die Geschichte mit Mythologie so vereint, dass es dem Leser ganz natürlich erscheinen würde, einem Golem oder Dschinn über den Weg zu laufen.

Auch das Umfeld des New Yorks Ende des 19. Jahrhundert brilliert durch historisch fundierte Details und eine Authentizität im Leben der unterschiedlichen Immigranten aus aller Herren Länder, sowie der diversen Schichten der amerikanischen Bewohner. Man fühlt sich regelrecht zurückversetzt in diese Zeit, die einerseits hart für jedermann,dabei aber so voller Hoffnung war. Das von Helene Wecker beschriebene New York erscheint so anders, als jenes, das man aus heutiger Zeit kennt. Doch erst dadurch entsteht diese besondere Atmosphäre, die den Leser davon trägt und ihn träumen lässt.

"Golem und Dschinn" benötigt keine hochtrabenden Spannungsmomente um den Leser gefangen zu nehmen, denn das allein schafft der wundervolle Schreibstil der Autorin, der einerseits so magisch und andererseits so melancholisch ist, dass man einfach gerne in diesem Roman verweilen möchte. Auch die Poesie und Fantasie in dieser Geschichte lassen "Golem und Dschinn" zu etwas ganz Besonderem werden.

Die Handlung dieses Romans ist so vielschichtig und komplex, dass jedes Detail auf den 600 Seiten irgendwann einmal wieder aufgegriffen wird, um zum Schluss ein großes Ganzes zu ergibt. Dadurch entsteht eine atmosphärische Dichte und Tiefe, die herrlich zu lesen ist und die Macht der Worte aufleben lässt.

Durch Rückblenden in die Vergangenheit des Dschinns entsteht ein Gefühl wie aus 1001-Nacht, dass den Leser in eine vergangene Zeit schickt und den Zauber des Orients wahr werden lässt. 

"Golem und Dschinn" besitzt so viele Facetten und Eindrücke, die zum einem wundervollen Gesamtwerk verdichtet wurden, ohne sich dabei in irgendwelchen Details zu verlieren, die für die Handlung irrelevant sind. Alles hat seinen tieferen Sinn und dieser kommt wundervoll zum Tragen.

Die vielen Details und Beschreibungen erscheinen an keinerlei Stelle langatmig oder zäh. Helene Wecker hat es geschafft, selbst die auf den ersten Blick unwichtigeren Informationen so zu verpacken, dass man trotz allem gebannt und verzaubert ist. 

Fazit: Ein wundervolles Stück Literatur, das man gelesen haben muss, um zu verstehen, welche Macht und Magie den Worten innewohnt. Helene Wecker hat das geschafft, was nicht jedem Autor gelingt; eine Geschichte zu schreiben, die so anders ist, als all jenes, was man bisher gelesen hat und den Leser auch ohne dramatische und nervenaufreibende Spannung zu begeistern weiß. "Golem und Dschinn" besitzt alles, was ein epochales Meisterwerk benötigt, um einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen.
Ich kann es kaum erwarten, mehr von dieser Autorin zu lesen. 

  


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