Freitag, 6. September 2013

In einem Boot von Charlotte Rogan



Klappentext:
Grace ist frisch verheiratet mit Henry Winter, einem jungen Mann aus reichem Hause, als sie sich am Vorabend des ersten Weltkriegs auf der Zarin Alexandra einschifft. Doch nach einer mysteriösen Explosion sinkt der Ozeandampfer, und Henry erkauft seiner Frau einen Platz in einem Rettungsboot.
Den Naturgewalten schutzlos ausgeliefert, treibt das überladene Boot wochenlang auf offener See. In einer Atmosphäre aus Misstrauen und unterdrückter Aggression stellen sich existentielle Fragen.
Sollen die Stärkeren sich opfern, damit die Schwächeren überleben können? Oder besser umgekehrt? Wer darf das entscheiden? Und sitzt Grace überhaupt zu Recht in diesem Boot?
Grace überlebt die Katastrophe, findet sich aber Wochen später vor einem Gericht in New York wieder. Die Anklage lautet auf Mord.


Mit "In einem Boot" legt Charlotte Rogan ihr Debüt vor.

Dieser Roman ist kurz vor dem Ausbruch des ersten Weltkrieges angesiedelt, sodass "In einem Boot" sein passendes Setting erhalten hat. Dadurch wird die Idee, die hinter dieser Geschichte steckt um einiges brisanter und authentischer.

Charlotte Rogan befasst sich in ihrem Erstlingswerk hauptsächlich mit den philosophischen Fragen hinter dieser Situation, sodass statt auf Spannung, das Augenmerk eher auf Verhaltens-, und Charakterstudien gelegt wird. Jedoch wirkt dadurch der Roman stellenweise sehr langatmig und etwas zäh und konnte mich nicht durchgehend fesseln.

Die ersten 220 Seiten befassen sich nahezu durchgängig mit den alltäglichen Tagesabläufen im Boot, die sich aufgrund der Begrenztheit des Schauplatzes, sehr ähneln und daher selten etwas gänzlich Neues zu bieten haben.
Meiner Ansicht nach, hätte man daraus ein wenig mehr herausholen können, um die Dramatik und Furcht stärker herauszuarbeiten. So lässt es den Leser oftmals doch recht kalt, wenn über elementare Dinge wie Leben und Tod entschieden wird, da diese häufig lediglich in wenigen Sätzen beschrieben werden.

Durch die vielen Personen, die ihren Auftritt in diesem Roman erhalten, ist es ab und an doch recht schwer, sie alle auseinander zu halten. Mir stellte sich oft die Frage, welche Person welche Vorgeschichte hatte, da ihre Namen häufig einfach in den Raum geworfen wurden, ohne diese näher zu erläutern.
Weiterhin wirkte die Hauptprotagonistin auf mich eher blass, weshalb ich nicht so recht mit ihr warm werden und dementsprechend nicht mit ihr mitleiden konnte.

Lediglich die letzten 100 Seiten, sowie die Unterbrechungen der Tagesabläufe durch Rückblenden oder Fakten der Gegenwart, konnten mich für den eher zaghaften Beginn dieses Romans entlohnen, da diese mehr Spannung zu bieten hatten und mir mehr Informationen über die Hauptprotagonistin liefern konnten.

Am Ende stellten sich mir noch etliche Fragen, die leider keine Beantwortung gefunden haben, wodurch ich nicht gänzlich zufriedengestellt bin.

Auch wenn ich die eine oder andere Kritik anzumerken habe, so lässt sich dennoch sagen, dass dieser Roman keineswegs schlecht ist, sondern es lediglich an der Umsetzung etwas haperte, das Potential aber dennoch vorhanden ist und man weit mehr aus dieser Geschichte hätte herausholen können. So ist "In einem Boot" ein eher durchschnittlicher Roman, der dem Leser Ausblicke in die Seelen der Menschen liefert und ihre Abgründe aufzeigt.

 



1 Kommentar:

  1. Gute Rezension! :)
    Habe auch neu eine gepostet, vielleicht willst du mal vorbeischauen? würde mich sehr freuen!
    Liebe Grüße
    http://alenas-buecherkiste.blogspot.de/

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