Samstag, 10. Oktober 2015

Die Reise des Karneolvogels: Der Wanderzirkus von Jeanette Lagall



Klappentext:
Flucht war nicht der letzte Ausweg. Es war der einzige. Um der arrangierten Hochzeit zu entgehen, verkleiden sich die beiden ‘höheren Töchter‘ Riki und Myra als Knaben und schließen sich einem Wanderzirkus an. Dank ihrer neuen Identität entkommen sie zwar den Fesseln der viktorianischen Gesellschaft, doch die Welt der Gaukler ist nicht nur bunter, sondern auch gefährlicher als erwartet. Der Karneolvogel, ein mächtiges Artefakt der Gaukler, ist verschwunden und sein Hüter Ramiro schwebt in Lebensgefahr, wenn es nicht bis zur großen Versammlung wieder auftaucht. Dass nun auch noch die Liebe ihre kapriziösen Finger ins Spiel bringt, verschärft die Situation zusätzlich - denn was würden die Zirkusleute tun, wenn die Lüge der beiden ’Knaben' ans Licht kommt? Das Geheimnis muss also um jeden Preis gewahrt bleiben. Aber wie, wenn ausgerechnet derjenige Gefühle für Riki entwickelt, der sich selbst niemals eingestehen könnte, einen Jüngling zu lieben - und für den Liebe und Verrat ohnehin Hand in Hand gehen. Während die Gaukler den Spuren des Artefaktes folgen und sich herauskristallisiert, dass womöglich ein Verräter unter ihnen ist, setzen die Familien der Mädchen alles daran, die Ausreißerinnen zu finden, und bringen damit den ganzen Wanderzirkus in Gefahr ...

"Der Wanderzirkus" ist der erste Band der "Die Reise des Karneolvogels"-Reihe von Jeanette Lagall.

Mit ihrem Auftakt verfolgt die Autorin eine interessante und gänzlich fantasyfreie Idee, die sich direkt im viktorianischen Zeitalter so hätte abspielen können. 

Die Geschichte besitzt viel Spannung. Auch wenn teilweise kleinere Längen vorhanden sind, so ist man als Leser dennoch schnell von diesem Roman gefesselt. Dabei überzeugt "Der Wanderzirkus" eher mit den leisen Tönen, als mit überbordender Spannung, sodass man von einem angenehmen Tempo gefangen genommen und in die Welt des Zirkus entführt wird. 
Stellenweise hätte die Handlung ein wenig gestrafft werden können, um Spannung und Tiefe stärker zu fokussieren und die wichtigsten Elemente mit mehr Tiefe zu versehen. So wird man an bestimmten Stellen leider ein wenig ausgebremst.

Jeanette Lagal hat eine sehr schöne viktorianische Atmosphäre heraufbeschworen, die in Kombination mit dem Zirkus ein tolles Gesamtbild ergibt. Genau wie die Protagonistinnen fühlt man sich dort direkt gut aufgehoben. Die Gegensätze zwischen dieser "Welt" und der gut bürgerlichen, kommen wunderbar zum Ausdruck, weshalb man hervorragend mit Riki und Myra mitfühlen kann.

Auch die Romantik kommt in diesem Auftakt keineswegs zu kurz. Vor allem gegen Ende entwickelt sich diese sprunghaft und ist dann herzzerreißend romantisch zu lesen. Diese passt hervorragend zu den jeweiligen Protagonisten, sodass sie authentisch transportiert wird und man richtig mitfühlen und mitleiden kann.

Die Entwicklungen zum Schluss machen sehr neugierig auf den nächsten Band dieser vielversprechenden Geschichte. Man darf gespannt sein, wie es mit Riki, Myra und den Gauklern weitergehen wird und was Jeanette Lagall sonst noch für ihre Leser bereithält. Bleibt zu hoffen, dass man nicht allzu lange auf die Fortsetzung warten muss.

Fazit: Tolles Debüt mit einer schönen Geschichte, die mit den leisen Tönen zu punkten weiß.



         




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